"Pilger sind wir Menschen"

Impressionen, Anstösse und Gedanken zum Weltjugendtag und zum Papstbesuch

„Benedikt, wir seh'n uns zweimal!“ – so stand es auf den grünen T-Shirts, die uns 140 Jugendliche beim Weltjugendtag (WJT) diesen Sommer in Madrid/Spanien eindeutig identifizierten. Mehr als ein Sehen, ein Erahnen eines weißen Gewandes in der Ferne, das war mit dem „Sehen“ des Papstes bei der großen Abschlussmesse des WJTs auf dem Flughafengelände „Cuatro Vientos“ auch nicht möglich. Aber ich denke: Das „Benedikt-Sehen“ war auch nicht Sinn und Ziel des Weltjugendtages, viel mehr war es Christus selbst, wie es Benedikt auch selbst häufig betonte. In der Gemeinschaft mit Jugendlichen aus der ganzen Welt zu beten, zu singen, für zwei Wochen gemeinsam, ja, zu leben – in einer Atmosphäre der Unbegreiflichkeit aus Fülle, Offenheit und Freude, das war das eigentlich Erstaunliche, Schöne und Nachhaltige am Weltjugendtag.

Drei Zeichen, drei Symbole, die ich mitnehme aus diesen Tagen in Spanien, zurück nach Deutschland, zurück in den Alltag:

Als Erstes und wohl Sperrigstes meine Weltjugendtagsgitarre. Extra renoviert habe ich eine alte Gitarre von unserem Dachboden, sozusagen meine handwerkliche Vorbereitung auf die Reise zum Weltjugendtag. In Spanien selbst hat uns diese Gitarre die ganze Zeit begleitet; bis zum Ende wurde sie gefüllt mit hunderten Namen von Jugendlichen aus allen Teilen der Erde (Australien, Zimbabwe, Argentinien, USA, Russland, Syrien, Ungarn, …), mit denen wir gemeinsam gesungen, gespielt, getanzt haben. So oft war eben die Musik, die verbindende Sprache, welche Verbindung, Freude und unvergessliche Momente ermöglichte.

Als Zweites die Flasche Wasser. Nichts brauchten wir mehr, als einen Schluck Wasser, der kühlt, den Durst stillt, die Kehle befeuchtet, Hoffnung und Kraft gibt… In den Tagen in Spanien kamen wir häufig bis an unsere Grenzen; wie wichtig und vor allem kostbar das Wasser ist, ist zumindest für mich eine erneute Lebenserfahrung.

Und als Drittes: Ein kleines, dünnes, gelbes Buch, mit dem Namen „YOUCAT“, der Jugendkatechismus, den alle Teilnehmer des WJT geschenkt bekommen haben. Wie kaum in einer anderen Zeit meines bisherigen Lebens war der WJT für mich eine Zeit des Austauschs, des konstruktiven, aber teilweise auch sehr kontroversen Diskurses über Glauben und Glauben-leben mit anderen Jugendlichen. Nur in der Beschäftigung, dem Hinterfragen des eigenen Glaubens kann eben jener tiefer und stärker werden!


„Benedikt, wir seh'n uns zweimal!“ – auch beim Papstbesuch in unserem Bistum waren wir als Jugendliche dabei. Viele Freunde aus den Tagen in Spanien habe ich wiedertreffen können. Allein auch die Massen beim Gottesdienst in Erfurt, das Warten auf einen Start, die Müdigkeit von der durchgemachten Nacht zuvor, das so selbstverständliche Gespräch mit eigentlich wildfremden Leuten – das erinnerte nicht nur an die Tage in Spanien; es ist im Grunde ein Spiegel unseres Daseins hier als Christen auf dieser Welt, als Pilger, wie es so schön in dem Lied „Pilger sind wir Menschen“ heißt: Unter vielen, gemeinsam versammelt im Namen des Einen. Unvorstellbares wird vereint im Glauben möglich.

Welche Selbstverständlichkeiten habe ich in meinem Glauben, meinem Leben, meinem Glauben-leben? Wohin will ich? Und worauf warte ich (noch)? – das sind Fragen, nach deren Antwort ich noch eine Weile suchen kann, angestoßen durch das Motto des Weltjugendtages: „In Ihm verwurzelt und auf Ihn gegründet, fest im Glauben“ (Kol 2,7).

Jakob Roschka