Aus der Geschichte der St. Elisabeth - Gemeinde in Eisenach

Anfänge christlichen Lebens in Thüringen und Eisenach

Seit den Tagen des heiligen Bonifatius wird bis heute in Thüringen und in Eisenach das Evangelium Jesu Christi in mannigfaltiger Weise verkündigt. Bonifatius gründete im Jahre 725 das Michaeliskloster in Ohrdruf. Von hier aus gelangte die frohe Botschaft auch in das Gebiet von Alt-Eisenach. Das heute älteste Bauwerk der Stadt ist die Nikolaikirche. Der romanische Baustil erinnert an die frühen Zeiten des Christentums. Viele Kirchen und Klöster entstanden in den folgenden Jahrhunderten.

Die Franziskaner ließen sich — von Erfurt kommend — im Jahr 1221 im Gebiet des heutigen Pfarrberges nieder. Sie gaben im Gefolge des heiligen Franziskus von Assisi der Landgräfin Elisabeth entscheidende Anregungen für ihr Leben der Hingabe und der dienenden Liebe im Geiste der Nachfolge Christi.

Reformation

Während des Reichstages in Worms wurde über Martin Luther die Reichsacht verhängt. Von dort auf kursächsischem Gebiet ankommend sollte er in Sicherheit gebracht werden. Der 4 . Mai 1521 ist für Eisenach ein epochemachendes Datum. An diesem Tag wurde der Reformator entführt und gelangte so zur Wartburg. Als Junker Jörg lebte er hier 300 Tage in Einsamkeit. Während dieser Zeit übersetzte Martin Luther das Neue Testament aus dem Griechischen in die deutsche Sprache.
Die Reformation setzte sich in Thüringen schnell durch. Damit hatte die katholische Tradition ihr Ende gefunden. Erst nach ungefähr 300 Jahren wurde in Eisenach erstmals wieder eine katholische Messe gefeiert.

Entstehung einer neuen kleinen katholischen Gemeinde

In den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts kamen einige Katholiken wegen beruflicher Aufgaben nach Eisenach. Wollten sie eine heilige Messe mitfeiern, mußten sie entweder in die Rhön oder nach Erfurt fahren. Nach Auskunft eines alten Berichtes wurde die 1. heilige Messe nach der Einführung der Reformation am 27. April 1843 in der St. Annenkirche von Pfarrer Henkel aus Dermbach (Rhön) in Eisenach gefeiert.

Das Gelände, auf dem die St. Elisabethkirche steht, war bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts Kasernenhof. Nach der Verlegung der Kaserne kaufte der katholische Hauptmann Simon dieses Gelände, baute aus eigenen Mitteln einen kleinen Betsaal mit sechs Bänken und schenkte ihn den katholischen Christen. In diesem Betsaal wurde nach vielen Schwierigkeiten die erste heilige Messe am 19. November 1844 - also am Fest der heiligen Elisabeth - gefeiert.

Die Zahl der Katholiken wuchs in den folgenden Jahren ständig. Der Pfarrer von Dermbach, dem die Seelsorge in Eisenach aufgetragen war, konnte wegen der großen Entfernung bald dieser Aufgabe nicht mehr gerecht werden.
Johann Leonard Pfaff, der Bischof von Fulda, errichtete deshalb die neue Pfarrei in Eisenach und ernannte einen Pfarrer. Der erste katholische Pfarrer in Eisenach war der Pfarrkurat Anton Hohmann aus Geisa.
So war der Grund für das Leben der neuen katholischen Pfarrgemeinde in Eisenach gelegt. Keiner wußte, ob die neue Pfarrei Bestand haben würde. Die Gründung dieser Diaspora-Pfarrei war ein Wagnis. Daher hatte der Bischof von Fulda auch verfügt, daß im Falle einer Auflösung alle Güter an den Bischöflichen Stuhl in Fulda zurückfallen müssen. Bis auf den heutigen Tag haben 154 Jahre lang die katholischen Christen der Stadt Eisenach in dieser Gemeinde gelebt, Gottesdienst gefeiert und gemeinsam das Kirchenjahr erlebt. In guten und bösen Tagen haben sie zusammengehalten und versucht, das Evangelium glaubwürdig zu leben und zu bezeugen.

Bau der St. Elisabeth-Kirche

Die katholische Gemeinde, für die seit dem Jahre 1844 eine Baracke mit sechs Bänken zur Verfügung stand, wuchs schnell weiter. Im Jahr 1882 lebten in Eisenach 800 bis 1000 katholische Christen. Diese nun schon größer gewordene Gemeinde sehnte sich nach einer eigenen Kirche. So wurde zu Beginn der achtziger Jahre ein Neubau geplant. Da Eisenach als Stadt der heiligen Elisabeth weithin bekannt war, stießen die Bitten um Spenden für den Neubau nicht auf taube Ohren. Vor allem der Bischof von Fulda und die Katholiken des Fuldaer Landes und der Rhön halfen mit großherzigen Spenden. Aber auch Gemeinden aus Ungarn, der Bischof von Orleans in Frankreich, ja sogar Papst Pius IX. trugen mit Spenden zu diesem Neubau bei.
Das Vorhaben wurde schnell vorangetrieben. So konnte Domkapitular Dr. Komp aus Fulda am 6. Mai 1886 den Grundstein für die Kirche legen. Dieser durch ein Kreuz gekennzeichnete Stein ist heute noch zu sehen. Der Architekt Professor Schneider von der Königlichen Akademie in Kassel erarbeitete den Bauplan. Die Kirche wurde nach dem Vorbild der Elisabethkirche zu Marburg im neugotischen Stil gebaut. Sie besteht aus Muschelkalk- und Sandstein. Der Turm ist 42 Meter hoch. Die Firma Gustav Stein aus Eisenach führte den Bau durch.

Bischof Joseph Weiland von Fulda weihte am 8. September 1888 die neue Kirche ein.

Bereits im Juli 1887 wurden die vier Glocken der Kirche geweiht. 54 Jahre lang riefen sie die Gläubigen zum Gottesdienst. Am 20. Februar 1942 wurden die beiden größten Glocken für Kriegszwecke beschlagnahmt, abgenommen und eingeschmolzen.

Innenraum der Kirche

Im Laufe der 110 Jahre veränderte die Kirche ihr inneres Aussehen. Die farbigen Kirchenfenster waren eine Stiftung der katholischen deutschen Studenten-Verbindungen der Guestfalia Tübingen. Die Stiftungsurkunde stammt vom 30. Juli 1884. Durch Fliegerangriffe am 20. und 23. November 1944 wurden alle Kirchenfenster beschädigt. Bei der letzten Erneuerung erhielt die Kirche neue Fenster in Butzenscheibenausführung.

Der Flügelaltar ist kein einheitliches Werk. Erst in jüngster Zeit konnte nachgewiesen werden, daß die Figuren des Mittelteiles aus dem späten Mittelalter stammen. In seinem Testament verfügte Prälat Johannes Janssen aus Frankfurt am Main, daß dieser Altar, der bis zu seinem Tode in seiner Hauskapelle stand, der St. Elisabethkirche in Eisenach geschenkt werden soll. Er hatte ihn auf dem Speicher einer protestantisch gewordenen Kirche in Norddeutschland entdeckt und erworben. Die gemalten Heiligenbilder der beiden Flügel stammen aus dem vorigen Jahrhundert.

An der Rückseite der Kirche befinden sich die Figuren des heiligen Konrad und des heiligen Antonius. Sie wurden 1946 von der Erfurter Künstlerin Hildegard Hendrichs verfertigt. Den Kreuzweg schuf Katharina Volbers aus Eisenach. Tabernakel und ewiges Licht gestaltete Professor Laufer aus Eisenach. Die Figur der heiligen Elisabeth, eine Arbeit der Rhöner Schnitzkunst, steht seit 1965 in der Seitenkapelle, die seitdem "Elisabethkapelle" genannt wird.

Nach der grundlegenden Umgestaltung der Kirche, die auch der Liturgiereform des zweiten vatikanischen Konzils gerecht werden mußte, feierte die Gemeinde am 30. Juni 1965 mit Bischof Aufderbeck die Altarweihe.

Orgel

Im Frühjahr 1972 wurde von der Firma Jehmlich aus Dresden die neue Orgel eingebaut. Sie hat 18 klingende Stimmen, mechanische Traktur und Schleifladen.
Die Einweihung der neuen Orgel konnte am 25. März 1972 gefeiert werden. Nachdem die Orgel über mehr als zwei Jahrzehnte treu ihren Dienst erfüllt hatte, war es nötig, das Instrument einer größeren Durchsicht zu unterziehen. Schmutz und Staub, aber auch Abnutzungserscheinungen und kleinere Defekte führten zu einer merklichen Beeinträchtigung der Spielfreude der ausübenden Organisten. Zunächst wurden alle Pfeifen der Orgel ausgebaut und das ganze Instrument gereinigt. Neben der Einrichtung und Neuregulierung der gesamten Orgelmechanik war die Auffrischung der Holzoberflächen im Spielschrank gewünscht. Die einst silbrig glänzenden Prospektpfeifen waren inzwischen matt und unansehnlich geworden und wurden einer gründlichen Reinigungskur unterzogen. Nach der technischen und optischen Instandsetzung folgte als Höhepunkt der Arbeiten der Wiedereinbau der etwa 1200 klingenden Orgelpfeifen. Die korrekte Tonansprache und Tonhöhe jeder einzelnen Pfeife mußte dabei geprüft und korrigiert werden.
Im Rahmen dieser Maßnahme wurde der Klang der Orgel im Sinne größerer Wärme und Verschmelzungsfähigkeit vorsichtig verändert. Den Grundstimmen der Orgel wurde mehr Volumen gegeben, die zum Teil sehr scharfen Spitzen geglättet, so daß die Orgel jetzt einen homogeneren Klang besitzt. Herr Orgelbaumeister Bernhard Kutter hat zusammen mit seinen Mitarbeitern im Herbst 1996 diese Arbeit zu allgemeiner Zufriedenheit ausgeführt. Durch regelmäßige Türkollekten und durch Spenden konnte die Gemeinde die Renovierung aus eigener Kraft übernehmen.

Renovierung

Eineinhalb Jahre vor der Wende - im Winterhalbjahr 1987/88 - wurde im Hinblick auf das hundertjährige Kirchweihjubiläum das Innere der Kirche renoviert. Die gesamte Kirche erhielt einen neuen Anstrich.
Nach der Wende veränderte sich das Bild der Innenstadt Eisenachs wesentlich. Auch die Umgebung der Elisabethkirche wurde umgestaltet und den heutigen Bedürfnissen und Ansprüchen angepaßt.
Der Eingangsbereich der Kirche ist so verändert, daß Gottesdienstbesucher oder Gruppen Gelegenheit für Gespräche und Begegnungen haben, ohne daß sie durch einen unnötigen Zaun oder durch den Straßenverkehr gehindert werden. Ein Eisen-Schmuck-Zaun teilt die einzelnen Bereiche optisch auf. Zur Verstärkung dieses Effektes wurden zwei kleinkronige Bäume gepflanzt. Zum Nebeneingang hin wurde das Pflaster so angehoben, daß ein behindertengerechter Zugang zur Kirche geschaffen werden konnte. Hinter dem Gemeindezentrum (Schule) entstand eine Freifläche, die als Parkplatz dient. Bei besonderen Anlässen steht dieser gestaltete Hof der Gemeinde auch für Feste oder andere Veranstaltungen zur Verfügung. Als Bindeglied zum Kirchenumfeld steht ein Ruhebereich mit Bänken und eine kleine Spielfläche für Kinder mit einer Rutsche bereit. Niedrige Gehölze und Stauden bilden den Rahmen dieser Anlage. Insgesamt neun Bäume konnten neu gepflanzt werden. Entwurf und Durchführung dieser neuen Gestaltung lag in den Händen von Herrn Landschaftsarchitekten Thomas Herrmann, aus Eisenach.

Priestergedenkstein

Eine Kirche wird für die Feier des Gottesdienstes erbaut. Die Pfarrer, die von ihren Bischöfen nach Eisenach gesandt wurden, haben diese Aufgabe in guten und in bösen Zeiten wahrgenommen.  So ist in dieser Kirche in den vergangenen hundert Jahren fast täglich, sicher aber an jedem Sonntag regelmäßig die Eucharistie gefeiert worden. Die Namen der Pfarrer stehen für ihre Gemeinde, mit der sie sich immer wieder zum Gottesdienst versammelt haben.
Zu diesem Gedenken wurde im Jahr 1967 der Priestergedenkstein auf dem Eisenacher Friedhof errichtet. Auf ihm sind die Namen aller Pfarrer aufgeführt, die in Eisenach tätig gewesen sind. Auf dem Gedenkstein ist jeweils die Zeit angegeben, in der die Geistlichen Pfarrer in Eisenach gewesen sind. Es folgt das Sterbejahr.
Viele Jahre sind ohne besondere Ereignisse verlaufen, so daß nur die Namen der Pfarrer heute über das Leben der Gemeinde Auskunft geben. Zur Zeit des Kirchenneubaus und der Einweihung war Joseph Kremer Pfarrer in Eisenach. Leider ist uns über sein Wirken nichts Näheres bekannt. Wir können aber ahnen, mit welcher Freude und Begeisterung im Jahre 1888 Pfarrer Kremer und die Gemeinde zusammen mit Bischof Joseph Weiland die Feier der Kirchweihe begangen haben.

Im Namen der heiligen Elisabeth

Die Suche nach einem Namen für die neue Kirche fiel den Bauherren nicht schwer. Schon in der Gründungsurkunde der Gemeinde erwähnt der Bischof von Fulda die Bedeutung der heiligen Elisabeth für Eisenach.

33 Jahre vor der Kirchweihe wurde der heiligen Elisabeth in Eisenach bereits ein bedeutendes Denkmal gesetzt. Moritz von Schwindt schuf im Jahr 1855 die berühmten Fresken im Kapellengang der Wartburg.

Erzherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach sah in der Wiederherstellung der Wartburg eine große Aufgabe. Dabei sollte nach seinem Willen auch die "katholisch-religiöse Bedeutung" der Wartburg herausgestellt werden.

Die älteste Elisabethkirche der Welt ist die Dominikaner- und Predigerkirche in Eisenach. Fünf Jahre nach der Heiligsprechung der heiligen Elisabeth wurde diese Kirche im Jahr 1240 auf den Titel des heiligen Johannes des Täufers und der heiligen Elisabeth geweiht. Das Kloster wurde während der Reformationszeit aufgegeben. Heute ist diese Kirche Museum für mittelalterliche Schnitzplastik. Durch den Neubau lebte das Patrozinium einer Elisabethkirche im Jahr 1888 wieder auf.

So sollte die heilige Elisabeth von Anfang an das Leben der Eisenacher Katholiken begleiten. Sie lebte von 1207 bis 1231. Im Laufe der vergangenen 110 Jahre waren also vier Jubiläumsjahre von besonderer Bedeutung: 1907 und 1931: 700. Geburtstag und Todestag. 1957 und 1981: 750. Geburtstag und Todestag. Während vom Jahr 1907 keine Berichte vorliegen, wurden die anderen Jubiläumsjahre feierlich begangen.
Zum 700. Todestag im Jahr 1931 fand im Gelände der Kirche ein Thüringer Katholikentag statt. An der Westseite der Kirche war ein großer Altar errichtet, auf dem die neue Elisabethfigur stand. Das Pontifikalamt hielt der Bischof von Fulda Joseph Damian.
Der 750. Geburtstag der heiligen Elisabeth wurde im Jahr 1957 festlich begangen. Der Jubiläumsgottesdienst fand damals im großen Saal des "Fürstenhofes", heute "Hotel Stadt Eisenach", statt.

Das Jahr 1981 war wiederum ein Gedenkjahr der Heiligen, der 750. Todestag. Während des ganzen Jahres kamen Pilgergruppen aus Ost und West nach Eisenach. Am 15. November hielt Bischof Dr. Joachim Wanke in der Georgenkirche den Jubiläumsgottesdienst. Dank dem Entgegenkommen der evangelischen Kirche war es möglich, in der großen Georgenkirche die ganze Gemeinde zu versammeln.
Die traditionelle Herbstwallfahrt führte im September 1981 über 60000 Teilnehmer, die aus allen Gebieten der DDR kamen, auf dem Erfurter Domplatz zusammen. Kardinal König aus Wien feierte mit vielen Bischöfen und Priestern den Gottesdienst zum Gedenken der heiligen Elisabeth. Am 17. November 1999 erhielt Kardinal König übrigens den 8. Wartburgpreis für sein Engagement um die Verständigung zwischen den Völkern.

Seit 1974 feiert die katholische Gemeinde jährlich am Fest der heiligen Elisabeth - also am 19. November - in der Kapelle der Wartburg den Gottesdienst.

 

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Bis hierher erstellt von Dr. H.-A. Egenolf (Domkapitular), von 1975-2000 Pfarrer der St. Elisabethgemeinde Eisenach

 

Pfarrerwechsel

Am 20.08.2000 wurde Pfarrer Dr. Hans-Andreas Egenolf nach 25-jährigem Wirken in Eisenach in den Ruhestand verabschiedet.

Am 03.09.2000 erfolgte die Amtseinführung seines Nachfolger, Raimund Beck, durch Dechant W. Mucke. Pfarrer Beck wurde im Jahr 2010 als Generalvikar von Bischof Wanke nach Erfurt berufen.

Seit 22.08.2010 ist Msgr. Heinz Gunkel Pfarrer der Gemeinde. Er wurde von Dechant B. Bock in sein Amt eingeführt.