99. Katholikentag Regensburg 2014

28. Mai – 1. Juni 2014

Das Brückenbauen soll den kommenden Katholikentag im bildlich-übertragenen Sinne prägen und für seine programmatische Ausgestaltung leitend sein. Für engagierte Christinnen und Christen versinnbildlicht dieses Leitwort die Berufung, in der Nachfolge Jesu Christi und in seinem Geiste hier und heute in der Welt und in der Kirche Brücken zu bauen, wo es notwendig ist. Wer Regensburg kennt, wird zugleich das imposante Bild der Steinernen Brücke, des bekanntesten Wahrzeichens der Stadt neben dem Dom, mit diesem Leitwort verbinden. Die Stadt Regensburg war schon zwei Mal, in den Jahren 1849 und 1904, Gastgeberin dieses großen Treffens katholischer Laien. Im Jahr 1984 hat zuletzt ein Katholikentag in Bayern stattgefunden.

Seit Jahrtausenden bauen wir Menschen Brücken. Denn wir wissen: Mit Brücken lassen sich Abgründe und Flüsse oder andere Hindernisse überwinden, lassen sich Wege verkürzen oder sicherer machen. Wo man bisher an Grenzen stieß, wo es nicht weiter ging, kann man über Brücken weiter gehen. Brücken erschließen uns Neuland. Brücken ermöglichen die Begegnung von Menschen, sie fördern den Austausch von Wissen und Waren. Wer über Brücken geht, ist offen für Anderes und Neues, es erschließen sich ihm neue Horizonte. Aber ein Brückenbau birgt auch Risiken. Jenseits einer Brücke begibt man sich ins Ungewisse, dort kann man auf Unbekanntes und Fremdes treffen. Brücken zu bauen, das ist nichts für Ängstliche und Verzagte. Wer Angst vor Anderem und Anderen, vor ihren Ansichten und ihren Fragen hat, der sollte sich von Brücken fernhalten.

Welche Brücken wollen wir im Jahr 2014 in der Welt und in der Kirche schlagen? Was wollen wir uns neu erschließen? Welche Beschränkungen wollen wir aufgeben, welche Hindernisse überwinden?

Von jeher wollen Katholikentage in gleicher Weise in unsere Kirche und in unsere Gesellschaft hinein Wirkung entfalten. Nachdem der Mannheimer Katholikentag 2012 von vielen besonders als ein Ort des innerkirchlichen Dialogs wahrgenommen wurde, wollen wir in Regensburg auch den gesellschaftlichen Themen wieder mehr Gehör verschaffen. Darum soll unser besonderes Augenmerk zunächst der Begegnung mit anderen gesellschaftlichen Akteuren und Gruppen gelten. Wer sind unsere Kooperationspartner, wenn es darum geht, unsere Gesellschaft mitzugestalten.

Wenn wir als Christinnen und Christen Brücken bauen, dann wollen wir dies im Geiste Jesu Christi tun. So wie er sich besonders den Armen, Kranken und Schwachen zugewandt hat, so tragen auch wir heute Verantwortung für die Ausgegrenzten, die Zurückgelassenen, die Überforderten und Benachteiligten. Wir wollen uns einsetzen und wo nötig auch streiten für menschenwürdigere Bedingungen bei uns und weltweit. Authentische Zeuginnen und Zeugen des christlichen Glaubens können hierfür Impulse geben, uns Perspektiven und praktische Wege aufzeigen.

Im Dialogprozess unserer Kirche ist das Jahr 2014 in besonderer Weise der Martyria – dem dritten der kirchlichen Grundvollzüge - gewidmet. Martyria bedeutet: Zeugnis geben von unserem Glauben in der Welt. In diesem Sinne wollen wir den Regensburger Katholikentag, der von unseren Bischöfen ausdrücklich als eine weitere Station in diesem Dialogprozess deklariert wurde, nutzen und gestalten.

Im Jahr 2014 werden wir der friedlichen Revolution in Deutschland und in den östlichen Nachbarländern gedenken. Die deutschen Wiedervereinigung und der Brückenschlag zwischen West- und Osteuropa vor dann 25 Jahren werden für uns Anlass sein, Zwischenbilanz zu ziehen, wie es um die Deutsche Einheit und die Einheit Europas heute steht. Regensburg war und ist ein Brückenpfeiler zu den osteuropäischen Nachbarn wie auch zu den christlichen Kirchen des Ostens, die für uns wichtige Partner im ökumenischen Gespräch sind. Auch das wird dem nächsten Katholikentag ein eigenes Gepräge geben.

Aber wir werden auch über den Tellerrand Europas hinaus blicken. Denn 2014 wird uns auch vor die Frage stellen, wie weit wir es auf dem Weg zur Erfüllung der Millennium- Entwicklungsziele gebracht haben. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, dem wir die Einladung nach Regensburg verdanken, war und ist bekannt für sein außerordentliches Interesse an den Menschen und den sozialen und politischen Verhältnissen in den Ländern des Südens. Jeder weiß, dass er ein persönlicher Freund von Gustavo Gutierrez, einem Nestor der Lateinamerikanischen Befreiungstheologie ist. Noch bevor Erzbischof Müller nach Rom ging, hatten wir uns mit ihm darauf verständigt, diesem Thema besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Auch innerkirchlich bleibt es wichtig, Brücken zu bauen. Als ZdK haben wir die Einladung nach Regensburg als einen solchen Brückenschlag empfunden und sie deshalb gerne angenommen. Wir hoffen, dass wir mit diesem Katholikentag dazu beitragen können, Gräben zu überwinden, die sich auch in unserer Kirche immer wieder auftun. Die Katholikentagsleitung hat sich ausdrücklich vorgenommen, in Regensburg auch über diese Gräben Brücken zu spannen.

Wir befinden uns derzeit im zweiten Jahr des innerkirchlichen Dialogprozesses. Dabei wurden inzwischen etliche Heiße Eisen angepackt. Auch wenn wir sie bisher nicht aus dem Feuer holen konnten – wir bleiben zuversichtlich, dass das, was in unserer Macht und in der Zuständigkeit unserer Bischöfe liegt, eine solche Veränderung erfährt, dass auch daraus längst überfällige Brücken entstehen. Seit langem sind Katholikentage Orte, an denen offen gesprochen werden kann. Dies wird auch in Regensburg so sein und wir wollen dies im Geiste Jesu Christi tun – im unbedingten Respekt vor einander und auch vor Andersdenkenden, aber stets an der Seite derer, die an den gegenwärtigen Verhältnissen besonders leiden und darum unsere besondere Unterstützung verdienen.

Hierzu fühlen wir uns auch durch das Zweite Vatikanische Konzil ermutigt, an dessen feierlicher Eröffnung vor 50 Jahren wir in diesen Tagen denken. Wie schon in Mannheim, so werden wir auch in Regensburg der Rezeption des Konzils breiten Raum geben. Auch das Konzil war eine Brücke. Über diese Brücke ist unsere Kirche mutig gegangen, um den Menschen heute nahe zu sein und ihnen so die froh-machende Botschaft des Evangeliums verkünden zu können. Die fünfzigste Wiederkehr der Verabschiedung des Ökumenismus-Dekrets im Jahr 2014 mahnt nachdrücklich, dass dies nur in der größeren Gemeinschaft der ganzen Christenheit glaubwürdig erfolgen kann. Es muss kritisch nachgefragt werden, weshalb an den seither in Angriff genommenen Brücken nicht weitergebaut wird.

In Regensburg wollen wir Brücken bauen. Mit Christus wollen wir Brücken bauen. Er selbst war ein unermüdlicher Brückenbauer. Mit seinem Leben und durch seinen Tod hindurch hat er dies bezeugt. Er hat sich jenen zugewandt, die ganz besonders seiner Zuwendung bedurften, oft auch und gerade, weil sie von anderen ausgegrenzt, benachteiligt oder verstoßen wurden. Damit wurde er zugleich DER Brückenbauer zwischen Gott und den Menschen. ER hat uns in seine Nachfolge gerufen und eben das bedeutet für uns: Mit Christus Brücken bauen. 

Quelle und weitere Informationen: www.katholikentag.de